SILVESTER mit Hund

 

 

Woher kommt die Angst?



Diese Angst ist erstmal "normal", den sie schützt Leib und Leben!

Angst ist also ein durchaus lebenswichtiges, ja überlebenswichtiges Gefühl.

Sie ist ein evolutionär gesehen uralter Instinkt, der den Körper aktiviert, damit er im Zweifel sehr schnell reagieren kann. 

 

Es gibt dafür 4 Reaktionsmöglichkeiten

-       Flucht

-       Kampf

-       Erstarren

-       Ablenken durch Herumalbern

die ein Tier, abhängig von den bisherigen Lernerfahrungen und den jeweiligen Möglichkeiten nutzen kann.

 

Auch die Angst an Silvester vor den krachenden, pfeiffenden und zischenden Geräuschen ist also nichts Unnatürliches. 

Wer jetzt nicht schnell reagieren könnte, der bezahlt womöglich einen hohen Preis.

 

 

Dein Hund ist sonst ganz gut drauf, nur einmal im Jahr hat er Panik und du denkst, dass ist dann nicht so schlimm, da muss er halt einmal durch.

 

Leider funktioniert das so nicht, denn Angst „zieht Kreise“.

 

Angst, die nicht behandelt wird, verstärkt sich im Laufe der Zeit und macht immer sensibler gegenüber weiteren ähnlichen Angstauslösern. 

 

So entwickeln sich aus der einmaligen Furcht vor den Böllergeräuschen weitere Sensibilitäten und schleichend beginnt das Tier mit Meideverhalten und später Angstverhalten bei anderen Schuß- oder Zischgeräuschen.

 

Anfangs in der Nähe, später in weiter Entfernung, im Alltag und dann kommen ähnliche Geräusche wie zuknallende Türen, Fenster, Autotüren, knatternde Motorräder, usw. usw. hinzu.

 

Du siehst also, es ist durchaus sehr empfehlenswert auch an „einmaligen“ Angstauslösern zu arbeiten.

 

All diese Angst bedeutet auch großen Stress für deinen Hund. 

Unter dem Einfluss der Stresshormone Adrenalin/Noradrenalin und bei länger anhaltendem Stress Cortisol, kann dein Hund weder lernen, noch wird er gelassen im Alltag reagieren können. 

Das Immunsystem ist heruntergefahren und diverse Krankheiten vorprogrammiert.

 

Und jetzt kommt’s:

 

Angst ist ein Gefühl, eine Emotion und

negative Gefühle können durch Zuwendung und Trost nicht verstärkt werden!


Hunde haben die Fähigkeit in uns Menschen eine Art Sozial- und Bindungspartner zu sehen, dahingehend haben wir sie ja domestiziert.

 

Bindungspartner lässt man in Not nicht alleine. 

Insbesondere beim hundlichen Vorfahre Wolf ist dieser „social support“, die soziale Unterstützung im Rudel außerordentlich ausgeprägt. Hat ein Tier Angst, versammeln sich die anderen um dieses Tier herum, beschützen und geben Körperkontakt. Keine Gruppe kann sich ängstliche Mitglieder leisten, also wird gegenseitig unterstützt.

 

Und auch beim Mensch würde man beispielsweise Eltern, die ihr verängstigtes Kleinkind einfach alleine lassen, mit Recht als "asozial" bezeichnen.

Unsere Hunde sind hochsoziale Tiere, die angewiesen sind auf "soziale gegenseitige Unterstützung" von ihren „neuen“ Bindungspartnern, uns Menschen.

 


Allerdings sollte man schon darauf achten, ob der Hund auch die von dir angewendete „Zuwendung" wirklich als hilfreich und beruhigend empfindet. 

 

Nicht jeder Hund möchte in jeder Situation z.B. engen Körperkontakt. 

Bleib einfach in der Nähe und beobachte, was dein Hund möchte.

 

Beim beruhigenden Streicheln kannst du die 5-Sekunden-Regel anwenden:

Streichle deinen Hund für 5 Sekunden, nimm dann die Hand ruhig weg und warte 5 Sekunden auf die Reaktion deines Hundes. Wendet er sich ab, lass ihn in Ruhe, wendet er sich dir zu, kannst du weiter streicheln.

 

 

Was hilft nicht?

 

Da muss er halt durch......Nein, muss er nicht!
Unsere Hunde sind hochsoziale Tiere, die angewiesen sind auf "soziale gegenseitige Unterstützung".


Auch Ignorieren wird nicht helfen.
Der Hund wird sich auch nicht „daran gewöhnen“, weil man sich nunmal an etwas Beängstigendes nicht gewöhnt. 

Gewöhnung an Etwas funktioniert nur, wenn die Gefühle dabei nicht ängstigend sind.

Hast du Angst bei großer Höhe? Nun, dann wirst du dich auch mit den Jahren nicht dran gewöhnen.

 
Alleinelassen in der Angst allerdings verstärkt diese sehr wohl, führt zu mangelndem Selbstvertrauen und stört die Bindung in uns Menschen massiv.

 

KEINESFALLS etwas mit dem Wirkstoff Acepromazin (z.B. Vetranquil, Sedalin, Calmivet) geben;

Dieser Wirkstoff hemmt bzw. lähmt nur äußerlich, der Hund durchlebt die Angst aber innerlich dennoch voll bewußt.

 

 

Ebenso wenig ist der jedes Jahr aufs neue angeblich hilfreiche Eierlikör zu empfehlen, da wir keine richtige Dosierung geben können. Alkohol wird ja sehr individuell verstoffwechselt. Hinzu kommt, dass jedes Tier völlig anders reagiert, das heißt die Nebenwirkungen sind nicht kontrollierbar. Ein Tier leicht alkoholisiert kann durchaus anstatt in lockere Entspannheit in totale Panik geraten.

 

Für die derzeitigen Mittel aus der Homöopathiewelt, Globuli und Salze und  auch das momentan allgegenwärtige CBD-Öl gibt es keinerlei wissenschaftliche Erfolgsdaten und ist daher auch nicht zu empfehlen.

 

 


Wenn der Hund bisher KEINE Angst hatte + Welpen

 

 

Bei Hunden, die Silvester noch nicht als Angstauslöser auf ihrer Liste der Bedrohungen gesetzt haben, bietet das „Schön Füttern“ eine sehr gute Alternative.

 

Jedes Mal, wenn es kracht und donnert, passiert etwas sehr Schönes für deinen Hund.

Es knallt und es fliegt daraufhin eine Hand voller Leckerchen vor den Hund auf den Boden, die er dann aufsammeln kann oder du startest eine schöne und positive Aktion mit deinem Hund, wie zum Beispiel Kuscheln, oder ein geliebtes Spiel.

 

Unbedingt empfehlenswert ist hier das Konditionierte Entspannungswort, mit dessen Hilfe wir dem Tier eine „Portion“ Oxytocin geben können.

 

 

Desweiteren sehr hilfreich ist ein im Vorfeld etablierter safe place, ein Sicherheitsplatz, bei dem wir zusätzlich mit Hilfe des Geruchs- und Hörsinnes des Hundes für Oxytocinausschüttung sorgen.

 

 

 

Wenn dein Hund bereits Angst an Silvester zeigt

 

1.  Training

 

 

Auch hier ist eine erste Maßname das  „Schön Füttern“, die wir mit einer Mischung aus Desensibilisierung und Gegenkonditionierung aufbauen und damit eine gute Möglichkeit für die Bewältigung  Angst bedeutet.

 

Desensibilisierung bedeutet, du beginnst mit dem Leckerchen geben bereits bei Geräuschen, die dem Auslöser (Böllerknall, Raketenzischen) nur etwas ähneln (Öffnen einer Colaflasche, Händeklatschen, usw.) sehr leise und weit entfernt sind.

Dein Hund muss auf solche ähnlichen Geräusch noch garnicht mit Ängstlichkeit oder Meideverhalten reagieren.

 

Damit arbeitest du dich Wochen vorher sehr sehr langsam und behutsam an die eigentlichen Geräusche heran. 

Achte bitte unbedingt auf die Körpersprache deines Tieres. 

Siehst du Meideverhalten oder gar Stress, gehe einen Trainingsschritt zurück und übe hier erstmal geduldig weiter.

 

 

Gleichzeitig (Gegenkonditionierung) mit den Knallergeräuschen werden zu den Leckerlie Alternativverhalten angeboten.

 

Alle möglichen kleinen Tricks und Spielsequenzen, die dein Hund wirklich gut kann, die er im Vorfeld sicher gelernt hat, kannst du bei den Übungen mit einfließen lassen.

 

 

Angst bedeutet ja Kontrollverlust.

Der Hund kann die Situation nicht einschätzen, seine 4 Bewältigungsstrategien helfen ihm in dieser Situation auch nicht mehr.

 

Mit den ihm bekannten Spielen und Tricks , die er ja erfolgreich absolvieren kann, geben wir ihm ein Stück Selbstsicherheit und damit Kontrolle wieder.

 

 

Manchen Hunden hilft zur Stressbewältigung auch Kauen

Nicht fressen, sondern lange Zeit an etwas herumkauen können (Schnuller beim Baby). Auch hier sollte dies im Vorfeld bereits beobachtet und als Möglichkeit dem Hund zur Verfügung gestellt werden. 

 

Empfehlenswert sind der gefüllte KONG, Lickmats und natürlich alle möglichen längerhaltende Kauartikel (keine Knochen oder ähnlich hartbleibende Sachen, sie beschädigen dauerhaft den Zahnschmelz)

 

 

Natürlich brauchen gerade Hunde mit bereits bekannter Angst den bereits erwähnten konditionierter Sicherheitsplatz und das Entspannungswort.

 

Empfehlenswert ist es, diesen dann an einen ruhigeren Ort zu bringen, oftmals das Badezimmer oder den Keller, natürlich alles in deiner Anwesenheit. 

Denkt daran die Fenster und Rollos zu schließen. 

Die vorher verknüpfte Musik und der Entspannungsduft helfen ebenfalls sehr gut.

 

 

 

Was genau hat das mit der konditionierten Entspannung auf sich?

 

Wir benutzen hier die  Klassische Konditionierung, also die Verknüpfung eines Tones, Wortes, Duftes usw. mit einem guten Gefühl, in unserem Fall Oxytocin (Bindungs- und Wohlfühlhormon).

Dieses Verknüpfen zweier Reize, innerhalb von 0,5-1 Sekunde, passiert unbewusst und die entstandene Reaktion ist daher nicht absichtlich steuerbar.

 

 

Der Sicherheitsplatz funktioniert genau so und wird zusätzlich mit den Sinnen „riechen und hören“ verknüpft. Der RelaxoPet funktioniert auch über dieses Prinzip.

 

 

 

Wenn dein Hund bereits Angst an Silvester zeigt

 

2.  Nahrungsergänzungsmittel / Medikamente

 

Achtet hierbei darauf, ob sie bereits Tage vor Silvester genommen werden sollten, um genügend zu wirken.

 

Empfehlenswert sind Präparate mit Baldrian und Lavendel

 

Ebenfalls sehr zu empfehlen für Hunde jeden Alters (und gern auch ihre Menschen) sind L-Theanine , hier die Sun-Theanine von Dr. Best.

 

Bei extremer Angst kann der Tierarzt euch Präperate mit Benzodiazepin verschreiben, wie Alprazolam, Diazepam; 

diese bitte früh genug geben, damit es keine Gegenpanik gibt.

 

 

 

 

Wenn dein Hund bereits Angst an Silvester zeigt

 

3.  Managementmaßnahmen

 

Weitere Maßnahmen zur Beruhigung bieten die ebenfalls VORHER eingeübten Thundershirts, eine Art eng anliegende Mäntel, die durch den gleichmäßigen Druck auf den Körper so manchem Hund ein Sicherheitsgefühl vermittelt.

 

Ohrschützer (MuttMuffs), die im Vorfeld positiv trainiert werden müssen, sind auch eine gute Hilfe.

 

Beruhigende Massagen wie TellingtonTouch oder Isometrische Übungen mögen auch viele Hunde. Auch mit diesen muss das Tier im Vorfeld vertraut gemacht werden.

 

 

 

Was ist Draußen zu beachten?

 

 

Etabliert bitte eine Lösestelle so nahe wie möglich an eurer Haustüre. Wenn dein Hund in den besonders kritischen 24 Stunden „muss“, ist es extrem hilfreich, wenn du nicht erst eine längere Strecke in der „feindlichen“ Umwelt mit ihm laufen musst.

 

 

Achtet bei euren Spaziergängen darauf, dass der Hund wirklich sehr gut gesichert ist. 

Ein Halsband oder normales Sattelgeschirr (K9) sind generell nicht empfehlenswert, gerade an Silvester direkt gefährlich, da Hunde sich hieraus schnell befreien können.

Sicherheitsgeschirre bei Hunden die ernsthafte Probleme haben sind ein MUSS, ebenso wie Sicherung mit doppelter Leine.

 

Vom 29.12. bis 02.01. empfehle ich das Tier auch bei gut funktionierendem Rückruf garnicht von der Leine zu lassen, sondern nur an der Schleppleine zu führen.

 

Ablenkungsreiche Spaziergänge mit Kegeln, Baumsuchspiel, Dummy- oder Ballspielen,  Suchspiele, usw. ersetzen das Flitzen durchaus.

 

Übrigens müssen Hunde nicht unbedingt jeden Tag stundenlang Spazieren gehen. Im Gegenteil, ab und an ein chilliger Ruhetag, mit ein paar Interaktionen im Haus, sind durchaus empfehlenswert.

 

 

  

In diesem Sinne euch allen einen „Guten Rutsch“, ein entspanntes Neues Jahr und ein fröhliches Wuffwuff!

 

 

 

©Heike Schuh/2021

 

Weitere Infos erhält du auch hier " Internationaler Berufsverband der Hundetrainer & Hundeunternehmer e.V.