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Wie vielfältig darf die Ernährung des Hundes sein?

Immer wieder höre ich, dass man das Futter seines Hundes nicht zu häufig wechseln soll, da sonst Unverträglichkeiten kommen könnten. Hierbei gibt es unterschiedlichste Begründungen und Differenzierungen. Um einige Beispiele zu nennen:

 

  • Der Organismus des Hundes ist auf gleichbleibende Nahrung ausgelegt, der Wolf frisst schließlich ja auch nur relativ gleichbleibende Nahrung (Beutetiere)
  • Das Mischen von unterschiedlichen Futtermitteln (z.B. Trocken- und Nassfutter) bringt das Verdauungssystem ins Ungleichgewicht, da es unterschiedliche Verdauungszeiten gibt.
  • Innerhalb einer Marke ist es okay, das Futter zu wechseln, da die Zusätze ja innerhalb der Marke gleich bleiben
  • Im Welpen- und Junghundealter sollte es noch keine häufigen Futterwechsel geben, da sonst viele Allergien entstehen können.
  •  …und so weiter und so fort…  

Ich möchte nicht sagen, dass an der Behauptung, Hunde könnten mit Durchfall, Bauchgrummeln bis hin zu Bauchschmerzen oder Unwohlsein reagieren, wenn sie anderes Futter bekommen, nichts dran ist. Die Begründung stimmt nur oftmals nicht. 

 

 

 

>>Ein Hund bekommt keine Beschwerden aufgrund von häufigen Futterwechseln,

sondern aufgrund von seltenen Variationen.<<

                                                                                                             

 

 

Genau heißt dass, wenn der Körper deines Hundes es gewohnt ist, die unterschiedlichsten Lebensmittel zu verdauen, hat er keine größeren Probleme damit.

 

 

Wichtig: Das gilt natürlich nur für einen gesunden Organismus. Hat der Hund eine echte Allergie, wird er das Allergen natürlich immer als solches erkennen und sein Körper wird entsprechend reagieren.  

 

Der Unterschied zwischen einer echten Allergie und einer Unverträglichkeit ist, dass die Allergie immer eine immunologische Reaktion ist, d.h. der Stoff, der aufgenommen wurde, wird vom Körper als Allergen markiert und dann immer wieder erkannt. Bei einer Unverträglichkeit ist es möglich, dass beispielsweise kleine Mengen ohne Probleme verdaut werden können, aber bei größeren Mengen kommt es zu Durchfällen oder sonstigen Beschwerden. Das ist bspw. bei Milchprodukten (Laktose) oftmals zu beobachten. Hunde sind übrigens nicht per sé laktoseunverträglich. Wie eben beschrieben: Die Menge macht das Gift. 

Vielfalt von Anfang an

Idealerweise sollte man bereits im Welpenalter beginnen, abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren. Der Welpe sollte die Möglichkeit bekommen, allerlei unterschiedliche Geschmäcker und Konsistenzen kennen zu lernen. Dies ist aus mehreren Gründen wichtig: Zum einen kann eine besondere Diätetik irgendwann mal nötig sein – zum Beispiel bekommt der Hund einen Magen-Darm-Infekt und man möchte mit der Moro‘schen Möhrensuppe unterstützen. Ich kenne viele Hunde, die diese Möhrensuppe nicht anrühren, dabei hilft sie wirklich zuverlässig und schnell.

Zum anderen trägt eine abwechslungsreiche Ernährung zu einem intakten Magen-Darm-System bei und es bietet außerdem noch Enrichment für den Hund – Wir essen auch nicht gerne immer dasselbe.

 

 

Und wenn der Hund schon erwachsen ist?

Natürlich nimmt nicht jeder Hundemensch einen Welpen bei sich auf. Gerade viele Tierschutz-/Tierheimhunde sind bereits ausgewachsen, wenn sie in ihr neues Zuhause kommen. Hier beginnt auch oft die Problematik: Auf die Ernährung dieser Hunde wird kein allzu großes Augenmerk gelegt. Das ist ja auch gar nicht möglich. In Folge dessen, kennen sie nicht viele unterschiedliche Lebensmittel – meist überwiegend Trockenfutter. Würde man nun anfangen und direkt die unterschiedlichsten Dinge anbieten, wäre ein beleidigtes Verdauungssystem vollkommen im Recht.

 

Wenn eine Zeitlang immer das gleiche Futter angeboten wird, beginnt das Verdauungssystem sich auf diese Nahrung einzustellen. Da Trockenfutter viel Stärke beinhaltet, produziert die Bauchspeicheldrüse mehr Amylase. Gibt man dem Hund nun eine komplette Mahlzeit frisches Fleisch, wäre die Peptidaseproduktion (Enzyme zum Spalten von Proteinen) nicht ausreichend und es käme zu Verdauungsproblemen. Ebenso wäre vermutlich die Magensäure nicht ausreichend genug, weshalb es wiederum zu Beschwerden käme.

 

 

Wie so oft ist auch hier Kleinschrittigkeit das Zauberwort.

 

 

Erst einmal sollte der Hund ankommen, das dauert mindestens drei bis vier Wochen. Danach kann man anfangen langsam unterschiedliche Lebensmittel anzubieten. Mal ein Stückchen gekochte Kartoffel, mal ein Esslöffel Reis hin und wieder ein Stück gekochtes Fleisch oder Nassfutter. Nach ein paar Tagen wird die Menge schon gesteigert und so gewöhnt sich der Verdauungsapparat an die diversen Futterkomponenten.

 

 

Zur besseren Veranschaulichung habe ich das Beispiel anhand von Trockenfutter gewählt. Allerdings trifft es auf alle Fütterungsarten zu. Wird ausschließlich ein Nassfutter gefüttert, hat der Hund mit anderen Lebensmitteln ebenfalls Probleme, genauso wie beim frisch zubereiten (roh/gekocht). 

Was ist nun an den Behauptungen dran?

Du kannst es dir schon denken: Tatsächlich nicht viel.

 

Pauschale Aussagen wie sie oben im Text stehen, stimmen nicht. Sie sind jedoch oftmals Resultate, die von den Menschen gesehen werden.

 

 

Fakt ist: Ein gesunder Hund profitiert von einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Mischfütterung. Diese sollte immer mit Sinn und Verstand erfolgen, jedoch nicht zu missionarisch verfolgt werden.  

 

 

Stefie Höflich

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