Der Rückruf

Was bedeutet das eigentlich für den Hund und was erwarten WIR, wenn wir Sätze sagen wie: „Der soll doch einfach bloß kommen“?

 

Aus Hundesicht heißt das, dass er das, was er gerade tut, unterbrechen muss. Aber, das sind für deinen Hund sehr wichtige Dinge, Spuren abschnüffeln, Artgenossen Hallo sagen, Vögel bejagen, gucken, ob die Umgebung auch wirklich sicher ist, und vieles mehr.

 

Überlege, wenn du gerade in einer für dich wichtigen Arbeit steckst, und dein Chef reißt dich alle Nase lang da raus, ruft dich zu ihm, nur um dir dann zu erzählen, dass er eben Jemand angerufen hat und es doch tatsächlich 4-mal geklingelt hat, bis der Angerufene ans Telefon ging.

 

Weshalb klappt der Rückruf nur so halb, nur manchmal und auch nur ohne Ablenkung?

 

Dein Mund ruft HIER und dein Körper sagt BLEIB WEG.

Wie jetzt?

Hunde kommunizieren hauptsächlich über Körpersprache. 

Und sie können diese Sprache auf eine andere Art, uns Menschen, übertragen. 

Ist das nicht absolut fantastisch?

Das bedeutet aber auch, dass sie unseren Körper so „lesen“, wie sie es eben wissen.

Wenn du also frontal zu deinem Hund stehst,

dich vielleicht sogar etwas nach vorne beugst,

so ist das in Hundesprache ein deutliches „Bleib weg!!!“

Wenn du dann auch noch mit grollendem „Kommst du jetzt Hier“ frontal auf deinen Hundzu stapfst, untermauerst du das körpersprachliche „Bleib bloß weg!!!“ so richtig.

Es macht daher viel Sinn, wenn wir Hunde mit einladender Körpersprache zu uns rufen.

Die Stimme und die Körpersprache sollten ein und dieselbe Bedeutung haben.

 

Häufig sind zusätzlich die Rückrufwörter nicht eindeutig. Wie soll dein Hund, der bekanntermaßen nicht Deutsch spricht, nur Hündisch, wissen, was Hier, Komm, Zurück, Bei mir usw. usw. eigentlich wirklich bedeutet?

Du kannst durchaus verschiedene Rückrufsignale nutzen, die du dann aber auch mit den jeweiligen Belohnungen geübt haben solltest.

 

Hat dann dein Rückruf so einige Male geklappt, kommt der Satz:

„Er kann es jetzt ja, da muss nun nicht mehr belohnt werden“. 

Ähm nö!

Wie oben steht, unterbrechen wir ja ein Verhalten, dass dem Hund gerade wichtig ist.

Wir können nicht erwarten, dass er das einfach so tun wird, schon gar nicht, wenn er etwas tut, was mit hoher Erregung verbunden ist, bspw. jagen.

 

Du kannst bestimmte Arbeitsabläufe in deinem Job inzwischen gut und dein Chef meint nun, dass du für diese nicht mehr Gehalt erhalten brauchst, weil du das ja jetzt kannst. Na da würde deine Arbeitsmoral aber ganz fix sinken.

Steigen würde sie, wenn dein Chef bspw. immer wieder zu dem normalen Gehalt eine kleine Überraschung bereit hielte. Merkste was?

 

Aber selbst, wenn du immer belohnst, enthält das so seine Tücken.

Übst du bspw. immer, wenn dein Hund gerade Richtung Wald wegrennt, wirst du erleben, dass er häufiger dieses Verhalten zeigt. Du hast ihm damit ja zu verstehen gegeben, dass gezieltes Wegrennen eine Belohnung nach sich zieht. 

Oder du belohnst immer mit super hochwertigem Futter, wird auch das dazu führen, dass dein Hund öfter mal gezielt das vorherige Verhalten ausführt.

 

Hier kommen wir direkt zu dem nächsten Knackpunkt.

Die Belohnung muss zu dem, was dein Hund tut, seiner Erregung, passen.

Du kannst nicht erwarten, dass dein Hund vom Hasenjagen abrufbar ist, wenn er dafür ein Bröckchen Trockenfutter bekommt. Vermutlich noch nicht mal ein großes Stück Fleisch.

Denn was er ja will, ist hetzen. Wir müssen ihm also beibringen, dass er das, wovon wir ihn abrufen, auch bei uns haben kann, bspw. mit einem Hetzspiel.

Der Schlüssel hierfür ist also bedürfnisorientiertes Training, funktionale Belohnung.

 

Ein weiterer Knackpunkt ist, dass wir das Rückrufsignal immer mal rufen, wenn es für den Hund beinahe unmöglich ist der Aufforderung nachzukommen. Bspw. sucht er gerade ein Fleckchen, um sich zu lösen.

Wenn er dann, durchaus zeitversetzt kommt oder gar den eigentlichen Rückruf „ausblendet“ und erst mit deutlicher Verzögerung antrabt, wird nicht mehr belohnt, ja sogar oftmals missmutig geschimpft.

Das kann dein Hund nicht verstehen. Aus seiner Sicht ist er ja gekommen. Wenn das nicht dennoch (immer!) belohnt wird und sogar bestraft würde, merkt er sich das für die Zukunft. Die Motivation fürs Zurückkommen wird deutlich sinken.

 

Und zu guter Letzt braucht so ein Rückruf meist etwas Unterstützung.

Wenn du ein Kind eine 30m lange Kirmesgasse zu dir rufen würdest, würde es vermutlich auch nicht mit „Augen und Nase zu“ lossprinten, sondern abgelenkt durch all das Glitzer und die leckeren Düfte links und rechts eher zögerlich zurückkommen.

Auch unsere Hunde benötigen vielfach ein Dauersignal, um den Verlockungen am Wegesrand zu widerstehen und zügig zu uns zu eilen.

 

Du siehst, einen gut funktionierenden Rückruf zu etablieren ist zwar kein Hexenwerk, aber es gibt schon ein paar Details, die wir beachten und berücksichtigen sollten, damit dein Hund auch wirklich sozusagen „mit wehenden Fahnen“ freudig zu dir kommt.

 

©Heike Schuh/2023