Hundehaltung boomt und dazu passend gibt es unzählige Hundeschulen. Hinzu kommen jährlich neue „Trends“.
Die inzwischen vergangene „Rudelstellung“ wird beispielsweise derzeit durch „das Verwalten von Räumen“ abgelöst.
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Von den TV-Trainern mit ihrer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche ganz zu schweigen. Da wird hanebüchener Unfug erzählt und fröhlich gehemmt und geblockt, an Hausleinen gebunden, mit scharfen Neins gearbeitet und so viel mehr. Alles Methoden, die aus dem letzten Jahrhundert stammen, aber vermeintlich schnell und vor allem TV-wirksam und unterhaltend anzusehen sind.
Sie alle wollen uns vermitteln, dass Hunde liebevolle Familienmitglieder seien, aber damit sie „spuren“ auch mal eine klare Ansage benötigen. Ganz wie in der Kindererziehung.
Der Ausspruch „ein Klapps hat mir auch nicht geschadet“ ist widerlegt. Er hat geschadet, bei Jedem auf die ein oder andere Weise.
Strafe, in welcher Form auch immer, funktioniert immer über Angst.
Ich persönlich möchte, das meine Hunde, aber auch meine Kinder, handeln, weil sie verstehen und gelernt haben und nicht aus Angst vor mir.
Auch der Begriff „wissenschaftlich basiert“ zählt heute nicht mehr das, was damit im Ursprung dargestellt werden sollte.
Wer sich genauer mit solchen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, wird schnell feststellen, dass das keine echten „Paper“ sind, sondern gerne mal Erhebungen mit 20 Tieren, deren Ergebnisse
aufgrund der „Meinungen“ deren Besitzer dargestellt wird. Das hat mit echter faktenbasierender wissenschaftlicher Arbeit nix zu tun.
Aber, der Hundebesitzer möchte ja kein Hochschulstudium absolvieren, sondern seinen Hund alltagstauglich erzogen wissen und so machen diese „Studien“ halt Eindruck.
Gerne wird dann auch noch ein bisschen darüber gewitzelt, dass die sogenannte „Wattebäuschchenfraktion“ die bedauernswerten Hunde mit unzähligen Leckerli zu verweichlichten Zirkustierchen verziehen und man ihnen damit sogar noch mehr schade.
Wie wird man eigentlich zum Trainer*in?
Jeder muss eine Prüfung beim zuständigen Veterinäramt ablegen (meist schriftlich, mündlich und praktisch), wobei es hierbei nicht besonders relevant ist, wo die vorangegangene Ausbildung stattgefunden hat. Es sagt uns also nicht, wie die Trainer*in tatsächlich arbeitet. In Vereinen arbeitende Trainer*innen benötigen gar keine Überprüfung.
Leider ist auch die Anerkennung durch die IHK Potsdam kein Verweis darauf, dass nicht mit völlig veralteten Methoden und aversivem Umgang seitens der Ausbilder mit Hunden umgegangen wird.
Kein Wunder, dass es schwierig und verwirrend für Hundehalter*innen ist, bei der Vielfalt den passenden Trainer oder Trainerin zu finden oder besagten Hundeschulen nicht „auf den Leim zu gehen“ wenn diese mit positivem Training werben, die Hunde schlussendlich aber doch bspw. über körpersprachliches Blocken und somit über Hemmung trainieren.
Damit du selbst herausfinden kannst, ob eine Trainer*in wirklich positiv arbeitet, dröseln wir ein paar Punkte mal genauer auf:
1. Bindung kriegst du nicht mit Leckerlie, sondern mit Führung, selbstredend gewaltfrei
2. Räume zu verwalten, schafft Ruhe
3. Bei Fuß gehen in 24h, ohne Keks, Kommandos, gewaltfrei ohne Leckerlie, nur durch Bindung.
4. Bellen unterbinden, auch gewaltfrei, aber effektiv mit Halsbändern, die Nix machen.
5. Goldene Mitte Erziehung OHNE Konditionierung und natürlich
6. „Hunde wollen Grenzen gesetzt bekommen, damit sie sich sicher fühlen“.
1. Leckerlie machen keine Bindung, sondern sind Bestechung.
Zunächst stellen wir mal fest, dass es für Hunde sowas wie Leckerlie gar nicht gibt. Es ist Futter. Überlebensnotwendige Nahrung. Punkt.
Wir bestimmen jeden Tag darüber, was, wann und wieviel Futter ein Hund bekommt.
Das würde dann ja bedeuten, wir „bestechen“ unsere Hunde täglich und arbeiten damit ja ständig einer guten Bindung entgegen.
Bestechung ist etwas übrigens nur, wenn zu einem Verhalten „überredet“ wird.
Das ist nun definitiv nicht der Fall, wenn eine Belohnung erst nach dem Verhalten angeboten wird.
Wir nutzen also ein „Normalverhalten“ (Fressen) um ein Verhalten als richtig zu bestätigen.
Strafen wie Blocken, Hemmen, Schimpfen, Erschrecken werden ja nur auf ein Verhalten draufgedonnert. Sie haben keine Information, wie ein Verhalten zukünftig anders, besser, gezeigt werden könnte.
Strafe funktioniert, aber um welchen Preis? Denn das Verhalten verändert sich nur aus einem Grund: Angst vor der Strafe und damit auch dem Strafenden (der Bezugsperson, dem Bindungsmenschen......)
2. Hunde sind ausgeglichener, wenn sie ihnen zugewiesene „Räume“ verwalten können?
Alter Verwalter. Und hinter diesen Räumen verstecken sich dann Strafen, wenn sie diese verlassen werden und das macht zufrieden? Für wie dumm werden Hunde gehalten?
Solch hanebüchener Unsinn wird leider Jahr für Jahr in immer neue Worthülsen verpackt, der den immer gleichen Ansatz hat. Wir sollen ein soziales Lebewesen unterdrücken und dominieren.
Übrigens, Entspannung ist ein innerer Prozeß und hat mit der Körperhaltung nichts zu tun. Auch ein vermeintlich ruhig liegender Hund kann innerlich enorm aufgeregt sein.
Ob das also nun der „Hinten-ist-alles-in-Ordnung-Hund“ der Rudelstellung ist, der artgerechte vom Alphatier Mensch geführte Rudelkonzepthund, oder der raumverwaltende Beziehungsmensch, allen ist eines gleich: sie üben Gewalt aus.
3. Erlangen der Leinenführung, egal aus welchem Grund der Hund zieht - gewaltfrei und in 24 Stunden.
Mit Zaubergeschirren:
Ja, würde ich von meinem Partner bei jeder noch so kleinsten Bewegung zur Seite mit einem ordentlichen Ruck zu ihm gezogen werden, laufe auch ich innerhalb weniger Minuten artig neben ihm.
All die Erziehungsgeschirre zur Leinenführung, die nix anderes tun, als den Hund ständig zu dir zu rucken. Nein! Das ist nicht gewaltfrei, denn das tut weh. Probierts doch mal an euch selber aus.
Es ist keine Erziehung, denn der Hund lernt nur eines: ohne auch nur die kleinste Bewegung neben seinem Menschen zu laufen, um Schmerzen aus dem Weg zu gehen. Merkste was? Wollen wir sowas wirklich?
Oder ohne Futter, ohne Konditionierung, aber durch Bindung.
Nun, wenn ich mir diese Werbevideos der Hunde ansehe, kommen zunächst kurze Abschnitte, in denen die Hunde an dünnen Halsbändern gezogen und geruckt werden, teils massiv.
Auch hier meine Empfehlung, probiert das mal bei euch selbst aus. Und nein, es ist ein Ammenmärchen, dass die Halsmuskeln der Hunde vor Schmerz schützen. Sie empfinden in etwa wie wir.
Nachdem die derart malträtierten Tiere bereits erschöpft aufgeben, werden sie übergriffigst zwangsbekuschtelt, immer wieder niedergerungen, bis sie selbst für Beschwichtigungssignale einfach viel zu fertig sind. Und dann kommt die Leinenführung. Zu sehen ist dann ein vermeintlich ruhig neben dem Menschen gehender Hund, bei genauerer Betrachtung geht die Körperachse weg vom Mensch und der Hund zeigt über lange Zeit keinerlei Umweltinteresse. Was wir sehen, ist ein gebrochenes Leben!
Die gute alte Rudelführung, die irgendwie nie ausstirbt, obwohl inzwischen zig Mal wissenschaftlich klar widerlegt.
Was soll ich sagen, hier wird gehemmt, bestraft (gerne, damit es den Haltern leichter fällt mit Ampeln, grün passt, rot muss eine harte Strafe zur Folge haben…als wären wir Kleinkinder) und geblockt, was das Zeug hält. Der Nackengriff ist gängiger Alltag und es wird suggeriert, dass das nicht schlimm sei, sondern der Hund regelrecht braucht, damit er uns versteht. Das sei hündische Kommunikation. Und wenns schlimmer wird, Alphawurf, das wäre halt ebenfalls hündische Kommunikation, der wir uns anpassen müssen.
Herr im Himmel, nein, nein und nochmals nein. Und selbst wenn derartiges ab und an auf irgendwelchen Beweisvideos zu sehen ist, zeigt das allerhöchstens überaus gestresste Tiere, die nicht anders können. Normal wäre, innerartlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen und Probleme friedlich zu lösen. Tiere sind nicht so dumm (wie wir Menschen), und laufen Gefahr mit ständigen Reibereien sich selbst zu verletzen und damit für ihre Futtersuche selbst zu schwächen.
Und ja, wer ständig derart drangsaliert wird, der läuft irgendwann Bei Fuß, aus Angst! Nur aus Angst! Aber willst du das wirklich?
Und für die, die es immer noch nicht wissen: Die Dominanztheorie ist falsch! Nicht ein bisschen oder anders ausgedrückt, sondern schlicht falsch. Hunde bilden keine Rudel, sie sind keine Wölfe. Und selbst bei Wölfen ist die Alphawolf Aussage inzwischen richtig gestellt: es gibt ihn garnicht.
Dementsprechend kann ein Mensch (eine völlig andere Art als der Hund, alleine das ist schon Unfug) weder Rudelchef sein, geschweige ein Hund ihm gegenüber Dominanz zeigen.
Nein, Hunde streben nicht nach der Weltherrschaft, auch wenn der ein oder andere "Fachmensch" das so verkauft. Lasst euch keinen 🐻 Bären aufbinden.
4. Nerviges Bellen unterbinden, sofort, nachhaltig und wieder angeblich gewaltfrei.
Halsbänder, die laut Hersteller absolut tierschutzkonform sind und keinerlei unangenehme Auswirkungen auf das Tier haben.
Ahja, da drängt sich mir die Frage auf, wenn doch dieses Halsband keinerlei Auswirkungen hat, wie bitte macht es dann, dass Hunde sofort aufhören zu bellen, wenn der Halter den Knopf drückt. Unsichtbare Gehirnwäsche, übersinnliche Wellen? Fragen über Fragen.
Im Ernst: Selbstredend klappt das nur über einen Schreckreiz, irgendwelche Wassersprüher oder unangenehme Töne, die im Ohr des Hundes auch Schmerzen verursachen können.
Das Bellen ist Kommunikation, zumeist im Ursprung Angst und darauf knallen wir jetzt eine weitere Angst (vor dem Schreckreiz). Über die Nebenwirkungen solcher Teile könnte ich glatt ein ganzes Buch schreiben.
5. Die Goldene Mitte:
Hund soll Kauknochen abgeben, hierfür wird dieser mit „klarer Anspruchgeste“, also nix anderes als ultraübergriffiges Verhalten inkl. massiver körperlicher Repressalien, weggerissen, um ihm danach dafür einen Keks („wir wollen ja positiv sein“) zu geben.
Bitte, das ist Konditionierung wie im Lehrbuch. Mit allen Nebenwirkungen.
Und, wenn es die Chance hat, wird ein so trainiertes, oder besser malträtiertes Tier für ihn wichtige Ressourcen schneller runterschlucken oder abhauen, wie der geneigte Mensch sein Rückruf-Hier auch nur denken kann.
Oder wenn der Kleine etwas wild Menschen anspringt wird mit entschiedenem Nein und wegschubsen gedroht. Meine Güte, so lernt der als allererstes: Menschen sind unberechenbar und manchmal machen sie mir Aua. Der beste Weg in Bindung und Vertrauen..NICHT!
Aber, auch hier wird uns von sogenannten namhaften Kynologen (MR usw. sind ja im TV omnipräsent) erklärt, dass das - und nur das - für eine gute Bindung wichtig sei, denn Hunde „brauchen“ klare Ansagen, so als Rudeltiere.
Da der Zeitgeist allzu aktive und offensichtliche Gewalt nicht mehr so ganz zulässt, wird’s jetzt echt kreativ.
Das Mittel der Wahl derzeit ist Flooding. Konfrontationstherapien in allen möglichen Verwandlungen. Beispielsweise wird mit Hunden, die ihre Mühe mit Fremden haben, gezielt in Fussgängerzonen
oder belebte Parks gegangen. Weils beim Menschen ja auch klappt. Und wieder Nein! Denn die Rahmenbedingungen, die in der Humanmedizin für diesen Ansatz unbedingt nötig sind, können wir beim Hund
nicht schaffen und es ist damit „eigentlich“ tierschutzwidrig.
Leidergottes wird den Hundehaltern aber das augenscheinlich ruhige Verhalten der armen Kreaturen als Lernerfolg vor Augen geführt. Die von weiteren renommierten Kynologen vorgelegte
Interpretation der hündischen Körpersprache, fachlich eigentlich aus der Welt der Phantasie, untermauert das Geschehen am Ende.
Fazit: Es ist noch viel Luft nach oben im modernem Hundetraining. Althergebrachtes und Gewohntes (das haben wir doch immer schon so gemacht) neu zu denken benötigt Zeit und vor allem
Wissen.
Mir ist durchaus bewusst, dass Hundehaltende unter Druck stehen, für und in unserer Gesellschaft "alles richtig" zu machen.
Das Versprechen diese Trainer/Methoden, es hört sich ja toll an und geht so schnell.
Aber, ich wiederhole mich, um welchen Preis?
Wir wissen es heute so viel besser als noch vor 10 Jahren. Eigentlich.
Hört bitte auch ein wenig auf euer Bauchgefühl, wenn euch die ein oder andere "Methode" komisch vor kommt.
Lest euch selbst ein bissl ein, für eure Hunde. Sie haben nur euch, die für sie einstehen und sie in unserer Menschenwelt schützen sollten.
Am Ende leben sie in eurem Haushalt und mit euch, nicht mit all den Leuten da draußen mit ihren "Meinungen".
Empfehlen kann ich den IBH e.V., da dort die Trainer:innen jährlich Fortbildungen bei entsprechend zugelasssenen Dozenten nachweisen müssen, es eine recht
engmaschige Prüfung zur Arbeitsweise gibt.
Zur Körpersprache gerne "Sprich Hund".




